Skip to content.

DBF e.V.

Sections
Personal tools
You are here: Home » Länderinformationen » Feste, Sitten, Bräuche

Feste, Sitten und Bräuche

Feste, Sitten und Bräuche in Bulgarien

Neben den bekannten christlichen Festen gibt im bulgarischen Kalender zahlreiche traditionellen Sitten und Bräuche, die ausgiebig gefeiert werden. Manche dieser Traditionen stammen aus der Zeit des Heidentums und haben teilweise Jahrtausende überdauert. Besonders wichtig sind den Bulgaren die Namenstage. Davon gibt es nahezu so viele, wie auch Namen vorhanden sind. Zum Namenstag werden Freunde nicht extra eingeladen, der Namensträger ist aber auf Besuch eingestellt.

Im Folgenden werden einige bulgarische Feiertage mit den dazugehörigen Bräuchen vorgestellt.


31. Dezember: Silvester


Der Tisch wird reich und festlich geschmückt, denn so wie das Jahr beginnt wird es auch fortdauern. Deshalb soll es an nichts fehlen. Um Mitternacht knallen auch die Sektkorken und das Feuerwerk in der Luft. Für die Kleinen kommt dann der „djado Mras“ („Großväterchen Frost“) und bringt die sehnsüchtig erwarteten Neujahrsgeschenke.

An den Baniza s kasmeti (Blätterteiggebäck mit Glück) genannten Plätzchen befinden sich kleine Glücks-Wünsche, die für jeden anders lauten.


6. Januar: Jordanowden (Jordanstag)


Dies ist für gewöhnlich einer der kältesten Tage des Jahres. In Dörfern wird werden an diesem Tag ein Kreuz in den Fluss geworfen, die Männer haben die Aufgabe diese Kreuz wieder herauszufischen. Dieses tolle Spektakel wird mit viel Essen, Trinken und Tanzen gefeiert. Das ins Wasser geworfene Kreuz steht im Zusammenhang mit der Taufe Jesu im Fluss Jordan.


7. Januar: Iwanowden (Namenstag von Iwan)


Dies ist der Namenstag der vielen Bulgaren die Iwan heißen. An diesem Tag wird gleichzeitig der Tag der Trauzeugen gefeiert. Früher bat man die Trauzeugen um Verzeihung für Fehler im alten Jahr, bevor man auf ein glückliches neues Ehejahr anstößt.


Sieben Wochen vor Ostern: Sirni Sagowesni (Fastnacht)


In den sieben Wochen vor Ostern finden die Kukeri-Spiele statt. Diese Feste sind Überbleibsel alter thrakischer Dionysosfeste. Dionysos war der Gott der Fruchtbarkeit und des Weines. Das Fest zu seinen Ehren bringt den Wunsch nach Fruchtbarkeit (sowohl für Kinder als auch die Ernte) zum Ausdruck.


14. Februar: Trifon Saresan (Tag des Winzers)


Die Weinbauern ziehen an diesem Tag aus dem Haus um mit dem Beschneiden der Rebstöcke zu beginnen. Auch dieses Fest ist zu Ehren Dionysos und wird mit gutem Essen und Trinken, Musik, Gesang und Tanz ausgiebig gefeiert.


1. März: Martenizi (Armreif)


Dieser sehr beliebte Volksbrauch ist nur in Bulgarien bekannt und verbreitet. Anfang März tragen die Bulgaren rotweiße Anhängsel an der Kleidung oder als Armreif um das Handgelenk. Diese Martenizi werden von Bekannten mit den besten Wünschen für Liebe, Glück und Gesundheit verschenkt. Die Martenizi trägt man bis zum Erscheinen des ersten Storches, längstens bis Ende März. Dann wird es unter einen Stein gelegt, damit das Glück nicht fort fliegt. Sieht man keinen Storch wird es an einen Baum gehängt, damit ein Storch das Band erblickt und dem Glück hinterher tragen kann.



8. März: Internationaler Frauentag


Die Männer kaufen für ihre Frauen und Mütter einen Blumenstrauß. Mittlerweile beruht dies auf rein privater Initiative und ist nicht mehr vom sozialistischen Staat initiiert. Einen Muttertag gibt es allerdings nicht.



Acht Tage vor Ostern: Lasarowden (Namenstag von Lasar)


An diesem Tag werden Lasaruwane (Lazarusbesuche) abgehalten. In diesem alten Volksbrauch wünschen festlich gekleidete und geschmückte Mädchen mit rituellen Liedern und Tänzen Gesundheit, Glück und Fruchtbarkeit der Äcker. Sie gehen reihum bei allen zu Besuch, dadurch präsentieren sie sich auch als heiratsfähige Mädchen der örtlichen Gemeinschaft.


Frühjahr: Welikden (Ostern)


Dieses christliche Fest wird auch „Fest der Feste“ genannt. Höhepunkt der Feierlichkeiten sind die Gottesdienste in der Osternacht. Anschließend findet eine Prozession statt. Die Menschen ziehen mit brennenden Kerzen dreimal um die dunkle Kirche, dann gehen sie alle mit den brennenden Kerzen hinein. Im Anschluss an den Gottesdienst begrüßen sich die Kirchgänger mit „Christos woskresse!“ („Christus ist auferstanden!“) und bekommen zur Antwort „Wo istina woskresse“ („Er ist wahrhaftig auferstanden.“). Ostereier und Kosunak (Osterkuchen) werden in der Kirche ausgetauscht.


6. Mai: Georgjowden (Namenstag von Georgi)


Am Georgjowden werden die bedeutendsten Frühlingsfeste in Bulgarien gefeiert. Geehrt wird der Heilige Georgi, der zur Zeit des römischen Imperators Diokletian in Kappadokien lebte. Als legendärer römischer Offizier gelangen ihm viele Heldentaten und Wunder. Im Jahre 306 starb er wegen seinem christlichen Glauben als Märtyrer. Er gilt als Beschützer der Viehherden. Deshalb werden in der Nacht zum 6. Mai die Schafe auf die Weide getrieben, da der Tau an diesem Tag Heilkraft besitzen soll. Zu Ehren des Heiligen Georgi wird am Festtag ein Lamm geschlachtet.


21. Mai: Tag der beiden Heiligen Konstantin und Elena


Dieser Tag ist nach dem römischen Kaiser Konstantin benannt, der im Jahre 313 das Christentum als gleichberechtigte Religion anerkannte und damit die Christenverfolgung beendete. Gleichzeitig wird seine Mutter Elena geehrt, die ihn im christlichen Glauben erzog. Dieser Tag wurde von der christlich-orthodoxen Kirche den beiden Heiligen geweiht.


24. Juni: Enjowden (Johannistag)


Am Namenstag aller Enjo heißenden Männer werden in den Dörfern Sonnenwendefeuer angezündet. Dieser Tag ist der längste Tag des Jahres. Dem Volksglauben der Bulgaren nach besitzen die Kräuter an diesem Tag ihre heilendste Wirkung, müssen dafür aber vor dem Sonnenaufgang gesammelt werden. Üblicherweise wurde an diesem Tag ein großes Fest gefeiert, da danach die Feldarbeit begann und dies eine Zwangspause bis zu den Feiern im Herbst und Winter bedeutete.


Ende Oktober/Anfang November: Erntedankfest


Es werden in jedem Haus zwei bis drei große Speisen zubereitet und reichlich Wein und Schnaps gerichtet. Dann erwartet man uneingeladene Gäste und freut sich so auf Nachbarn, Verwandte oder Unbekannte. Nach dem Besuch im ersten Haus kann man sich dann ins Nächste begeben, sofern noch etwas Platz im Magen ist.



26. Oktober: Dimitrowden


Dieser Namenstag ehrt alle Bulgarinnen und Bulgaren, die den Namen Dimitrinka, Dima, Dimiter, Dimo oder Mitko tragen. Sämtliche slawischen Völker ehren den Heiligen Dimitrij, er wird von einigen Völkern als Schutzheiliger der Slawen gesehen. Früher mussten bis zu diesem Tag die Erntearbeiten abgeschlossen sein, die Saisonarbeiter wurden dann ausbezahlt und entlassen.


6. Dezember: Nikulden (Nikolaustag)


Der Heilige Nikolaus wird in der gesamten christlichen Welt geehrt, er half den Armen, Unglücklichen und allen Anderen, die in Not waren. Da er als Beschützer der Fischer und Seeleute angesehen wird ist man zu seinen Ehren Fisch. Gefüllte Nikolausstiefel oder –socken kennt man in Bulgarien allerdings nicht.


24. Dezember: Koleda (Weihnachten)


Umherziehende Jungen und Mädchen tragen die Koledarka, einen mit Schnitzereien reich verzierten Eichenstock. Weihnachten beginnt am 24. Dezember als Malka koleda (kleines Weihnachten). Am Badni wetscher (Heiligabend) werden meist fleischlose Gerichte aufgetischt. Erst am ersten Weihnachtsfeiertag dürfen die orthodoxen Bulgaren Fleisch essen. Ein weiterer Brauch besteht darin in einem Gebäckstück eine Münze einzubacken. Wer diese findet hat im nächsten Jahr besonderes Glück. Zu Weihnachten machen sich die Bulgaren keine Geschenke. Der 25. Dezember ist zusätzlich Namenstag von Männern namens Christo.


Quelle: Elena und Ralf Engelbrecht: Bulgarien, 4., komplett aktualisierte Auflage 2003, Reise Know-How Verlag

 

Powered by Plone

This site conforms to the following standards: