EU-Kommission gibt grünes Licht für Beitritt Bulgariens und Rumäniens
Bulgarien und Rumänien sollen trotz erheblicher
Defizite schon nächstes Jahr der EU beitreten. Dafür sprach sich
die EU-Kommission in einer Empfehlung an die bisherigen Mitgliedstaaten
aus. Ein «Kooperations- und Überprüfungsmechanismus»
soll nach den Worten von EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn den Reformdruck auf
die Regierungen in Sofia und Bukarest auch nach dem Beitritt aufrechterhalten.
Vor dem EU-Parlament in Straßburg räumte EU-Kommissionspräsident Jose Manuel
Barroso ein, dass es bei der «Justizreform, bei der Bekämpfung der Korruption
und des organisierten Verbrechens» in Bulgarien und Rumänien noch Probleme
gebe. Rehn erklärte, Bulgarien und Rumänien müssten zwei Mal jährlich Berichte über ihre Fortschritte in den
genannten Bereichen vorlegen, den ersten am 31. März 2007.
«Die Kommission wird auch Schutzklauseln anwenden», wenn die gesetzten Ziele
nicht erreicht würden, sagte der Erweiterungskommissar. Mit Blick auf die
Probleme beider Staaten bei dem Aufbau von Verwaltungsstrukturen für die
Auszahlung von EU-Agrarsubventionen erklärte Rehn: «Zahlungen können
ausgesetzt, unterbrochen oder ganz storniert werden», falls es zu Unregelmäßigkeiten
kommen sollte. Zugleich bemühte er sich Bedenken zu zerstreuen, Bulgarien und
Rumänien seien noch nicht wirklich reif für die EU. «Wir sind noch strenger
gewesen als in der Vergangenheit», sagte Rehn über die Beitrittsverhandlungen.
Die
Vorsitzenden der beiden größten Fraktionen im EU-Parlament begrüßten
die
Empfehlung der Kommission. Der Fraktionschef der Konservativen,
Hans-Gert Pöttering, erklärte: «Bulgarien und Rumänien sind zwei große
europäische Kulturnationen, und sie werden mit dem Beitritt Mitglied
unserer großen
europäischen Familie.» Er zollte der Bevölkerung beider Länder
Anerkennung für
«die großen Anstrengungen, die sie unternommen haben in den Jahren seit
dem Niedergang des
Kommunismus». Auch der Fraktionschef der Sozialdemokraten, Martin
Schulz, betonte
die historische Dimension der neuen Erweiterungsrunde. «Es geht darum,
dass
eine gegen die historische Entwicklung unseres Kontinents gerichtete
Teilung
beendet wird», sagte der SPD-Politiker. Scharfe Kritik übte dagegen
Grünen-Fraktionschef Daniel Cohn-Bendit: «Ich habe selten im Parlament
eine
scheinheiligere Debatte gehört als die, die wir heute führen.» Mit
Blick auf
den Kommissionsbericht zu Bulgarien sagte er: «Die Justiz ist nicht
unabhängig
- aber das wird schon noch kommen?» Wenn derselbe Bericht zur Türkei
vorgelegt
worden wäre, «würden sie alle nein schreien», warf
Cohn-Bendit seinen Kollegen
vor.
Im Kommissionsbericht werden neben den Problemen im Justizwesen und bei
der Korruptionsbekämpfung auch die unzureichende Vorbereitung beider
Staaten
auf die Verwaltung der EU-Agrarbeihilfen sowie, im Falle Bulgariens,
Mängel bei
der Flugsicherheit kritisiert. Wenn Bukarest und Sofia nicht Abhilfe
schafften, werde die Kommission selbst Maßnahmen einleiten, «um das
reibungslose
Funktionieren der EU sicherzustellen», heißt es in dem Bericht. Brüssel
könnte
die Auszahlung der Agrarbeihilfen verzögern, Bulgariens Zugang zum
internationalen Luftverkehr beschränken und den Mitgliedstaaten
empfehlen, Urteile
aus den beiden Ländern nicht anzuerkennen.
Falls die EU-Staaten der Erweiterung zum 1. Januar zustimmen, haben Bulgarien
und Rumänien praktisch mindestens bis zur Vorlage ihres ersten Fortschrittsberichts
am 31. März 2007 Zeit, die Mängel zu beheben.
Weitere Informationen über die Begleitmaßnahmen für den Beitritt Bulgariens und Rumäniens
Wichtigste Ergebnisse des Monitoringberichts über den Stand
der Beitrittsvorbereitungen Bulgariens