139 bulgarische Parlamentarier früher Geheimdienst-Mitarbeiter
Nach der Wende in Bulgarien sind 139 einstige Mitarbeiter der kommunistischen Staatssicherheit des Landes Parlamentsabgeordnete geworden. Einige von ihnen, wie Staatspräsident Georgi Parwanow, stiegen anschließend in höchste Staats- und Regierungsämter auf. Allein im jetzigen, erst vor zwei Jahren gewählten Parlament sitzen 19 frühere Geheimdienst-Mitarbeiter aus verschiedenen Parteien. Die Namen aller Parlamentarier mit Geheimdienst-Vergangenheit veröffentlichte nun ein zuständiger Ausschuss im Internet: http://www.parliament.bg/kns/
„Welcher normale Mensch außer der so genannten politischen Elite interessiert sich heute noch für die Geheimdienstakten?“ So reagierte Ministerpräsident Stanischev auf die Enthüllungen und löste damit Proteste unter Vertretern der Zivilgesellschaft aus. Stanischev zufolge müsse man in die Zukunft schauen und nicht in die Vergangenheit.
Es ist die bislang umfassendste Überprüfung von
rund 1790 Parlamentariern der sechs demokratisch gewählten Volksvertretungen
seit der Wende 1990. Sie erfolgte nach einem Gesetz, das im Dezember 2006 kurz
vor dem EU-Beitritt Bulgariens verabschiedet worden war. Es sieht allerdings
keine Konsequenzen für die Betroffenen vor. Die Stasi-Mitarbeit von Staatspräsident
Parwanow war bereits Mitte Juli offiziell bestätigt worden. Eine Liste mit den
Namen mehrerer Berater des Staatspräsidenten, die früher für den Geheimdienst
tätig waren, war ebenfalls kurz davor veröffentlicht worden.