Keine Regierungsumbildung, Koalition soll fortgesetzt werden
Auf einer Wochenendklausur haben sich die Koalitionsspitzen der drei Regierungsparteien in Bulgarien auf eine Reihe von Maßnahmen verständigt, die die Fortsetzung der Koalition sichern sollen. Ministerpräsident Stanischev (BSP), Ahmed Dogan (Türkenpartei DPS) und Simeon Sakskoburggotski (NDSV) demonstrierten politische Geschlossenheit und teilten mit, das Reformtempo beschleunigen zu wollen, um das Mandat erfolgreich zu Ende zu bringen. Eine im Vorfeld in den Medien viel diskutierte Regierungsumbildung wurde abgewendet. Stattdessen wurden wichtige politische Entscheidungen getroffen, die nach der nächsten Wahl eine Fortsetzung der Koalition garantieren sollen.
So haben sich die Koalitionsspitzen auf eine Fusion der staatlichen Energiegesellschaften zu einer Megaholding geeinigt, die bis Ende 2008 das Unternehmen Bulgargas, die Bergwerke Mariza-Istok, das Wärmekraftwerk Mariza-Istok 2, die Nationale Elektrizitäts-Gesellschaft (NEC) und das AKW Kosloduj vereinen soll. Die Energieholding, die dabei entsteht, wird voraussichtlich über ein Vermögen von ca. 4 Mrd. Euro und einen Umsatz von 1,8 Mrd. Euro verfügen. Der Zusammenschluss sei notwendig, um die bulgarische Energiewirtschaft wettbewerbsfähig zu machen, in einer Zeit, in der EU-weit ein Konsolidierungsprozess im Gange sei, sagte Stanischev.
Darüber hinaus entschieden die Koalitionsspitzen, den Duty Free Handel an der türkischen und an der serbischen Grenze einzustellen, wie von den USA seit langem und der EU-Kommission in ihrem letzten Bericht mit Nachdruck gefordert wurden.
Außerdem
sollen das Heizkraftwerk Sofia und der Tabakhersteller Bulgartabak privatisiert werden. Der Verkauf der
Tabak-Holding sei, so Dogan, nun doch möglich geworden, weil EU-Mittel zur
Schaffung alternativer Arbeitsplätze in diesen Landregionen zur Verfügung
stünden. Weiterhin soll das Gesundheitswesen reformiert, teilprivatisiert und
konzessioniert werden, die Mittel für den Sektor erhöht werden, wobei aber die
Krankenversicherungsbeiträge nicht steigen sollen.