EU: Bulgarien muss organisiertes Verbrechen bekämpfen
Nach der Ermordung von zwei Prominenten in Bulgarien hat die
Europäische Union ihr jüngstes Mitgliedsland zum entschiedenen Kampf gegen die
organisierte Kriminalität ermahnt. "Leider ist es in den vergangenen Jahren immer wieder
zu solchen Taten gekommen, ohne dass dies erfolgreich verfolgt worden
wäre", sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel.
In weniger als 24 Stunden starben zwei Prominente einen
gewaltsamen Tod. Zunächst wurde Borislav Georgiev erschossen. Er war
Geschäftsführer des Unternehmens Atomenergoremont, das für die Wartung und
Modernisierung des AKW Kosloduj zuständig ist, und stand dem Energieboss
Christo Kowatschki nahe. Der 41-jährige wurde mit zwei Kopfschüssen aus dem
Hinterhalt vor seiner Wohnung ermordet. Am folgenden Tag wurde auf offener
Straße in Sofia der 35-jährige Georgi Stoev tödlich verletzt. Stoev, selbst
Ex-Leibwächter, hatte neun Bücher über die bulgarische Unterwelt, die er persönlich
sehr gut gekannt haben will, verfasst. Darin schrieb er auch über mächtige
Bandenchefs und deren Beziehungen zu Politikern.
Ministerpräsident Sergej Stanischew erklärte in Sofia, es
gebe "einen entschlossenen politischen Willen, die staatlichen
Institutionen im Kampf gegen Bestechung und organisierte Kriminalität zu
mobilisieren." Seit 2001 gab es in Bulgarien mehr als 150 Bandenmorde.
Bisher wurde kein Täter verurteilt. Auch wegen Bestechung wurde kein
Staatsdiener zur Verantwortung gezogen. Die EU-Kommission will zu dem Thema Mitte
des Jahres einen Bericht vorlegen.
Den jüngsten Auftragsmorden in Sofia war eine brisante, seit
Wochen andauernde öffentliche Diskussion über die Verflechtungen zwischen
Mafia-Jägern und Mafia-Bossen, Politik und Unterwelt voraus gegangen, in deren Fokus insbesondere das bulgarische
Innenministerium stand.
Mehr über den Skandal, der das Land erschütterte und die
ganze Regierung in Bedrängnis brachte, im neuen Bulgarien-Infobrief.